Farbe und Architektur
  • 3. September 2016
  • Bildung

Farbe und Architektur

Dokumentation eines Theorieseminars zum Einstieg in den Themenkomplex der Farbe

Prof. Bernd Huckriede, Axel Buether (Herausgeber), Farbe und Architektur. Dokumentation eines Theorieseminars an der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus 2002, Erschienen als Buch in zwei Auflagen: ISBN 3-9808787-0-8

Seminarleitung, Redaktion und Layout: Axel Buether

Seminarteilnehmer im WS 2001/2:

Arno Kraus, Carola Francke, Carolina Papsch, Christine Rönisch, Dagmara
Kaczmarczyk, Daniel Pötter, Daniela Ottmann, Elisabeth Eiselt, Felix
Hetterich, Felix Junker, Filip Kayser, Heike Hessenberger, Jan Kuhmann,
Jana Lachmann, Janek Brinkmann, Jenny Dunkel, Jens Wilde, Katja
Klenk, Kristian Rüb, Michael Klein, Oliver Berns, Petra Wittich, Sebastian
Böhme, Sebastian Buntz, Steffen Gieselmann

Abstract

Das Seminar Farbe und Architektur thematisierte das Spektrum unseres Wissens um das Phänomen der Farbe von den ersten bekannten Farbtheorien der griechischen Antike bis zu den Farblehren der Gegenwart. Dabei wird der Zusammenhang von Theorie, Lehre und Anwendung weitestgehend parallel untersucht.

Zielstellung des Seminars „Farbe und Architektur“

Auf Grund der umfas­sen­den kul­tu­rel­len und wis­sen­schaft­li­chen Dimen­sion des The­mas „Farbe“, musste die inhalt­li­che Struk­tur des Semi­nars auf eine Aus­wahl von The­men beschränkt wer­den. Die Stu­den­ten erar­bei­te­ten sich ihr Wis­sen auf zwei Ebe­nen, einer wis­sen­schaft­lich theo­re­ti­schen und einer gestal­te­risch prak­ti­schen Ebene. Sel­ten fin­den sich so viele ver­schie­dene Theo­rien zu einem Thema, wie bei dem Stu­dium des Phä­no­mens „Farbe“ zusam­men­kom­men. Hier kommt sinn­li­ches und über­sinn­li­ches, wis­sen­schaft­li­ches und künst­le­ri­sches Stre­ben nach Wahr­heit zusam­men, ohne dass es uns bis heute gelun­gen ist, eine ein­heit­li­che Theo­rie der Farbe aufzustellen.

In der grie­chi­schen Antike waren Phi­lo­so­phie und Wis­sen­schaft noch untrenn­bar ver­bun­den. Erkennt­nisse über das Phä­no­men der Farbe wur­den bereits durch die grie­chi­schen  Phi­lo­so­phen Pytha­go­ras, Aris­to­te­les und Pla­ton im Zusam­men­hang ihrer ganz­heit­li­chen Welt­be­trach­tung gefun­den.
Eine wei­tere wich­tige Sta­tion in der Ent­wick­lung der Farb­theo­rie ist das Stu­dium der Renais­sance, der „Wie­der­ge­burt der Antike“, in der Kunst und Wis­sen­schaft erneut eng ver­bun­den waren. So stamm­ten neue Erkennt­nisse über die Farbe von viel­sei­tig for­schen­den und schaf­fen­den Künst­lern wie Leo­nardo da Vinci und Leon Batista Alberti.
Natur­wis­sen­schaft­ler wie Isaac New­ton über­nah­men im begin­nen­den 18. Jahr­hun­dert die Füh­rungs­rolle in der Ent­wick­lung von Farb­theo­rien von den Künst­lern und lenk­ten den For­schungs­schwer­punkt in das Gebiet der Physik.

Von dort aus ver­such­ten J.W. von Goe­the, Phil­lip Otto Runge und Wil­helm Ost­wald ihre Erkennt­nis über die Farbe in zusam­men­hän­gende und umfas­sende Farb­leh­ren zu über­füh­ren. Dabei wurde neben natur­wis­sen­schaft­li­chen Model­len auch die sinn­lich sitt­li­che Wir­kung von Far­ben unter­sucht. Das Phä­no­men der Farbe wurde auf die Ursa­che sei­ner Erschei­nung wie auch auf seine Wir­kung auf den Men­schen ana­ly­siert. Die Repro­du­zier­bar­keit und die Ein­ord­nung von Farb­tö­nen in umfas­sende Far­bord­nungs­sys­teme wurde durch drei­di­men­sio­nale Farb­mo­delle wie die Farb­ku­gel von Runge mög­lich.
Die in die­ser Zeit gefun­de­nen phy­si­ka­li­schen, phy­sio­lo­gi­schen und psy­cho­lo­gi­schen Ansätze prä­gen auch heute noch die wis­sen­schaft­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Phä­no­men der Farbe.

Mit dem Beginn der Moderne wur­den die Theo­rien Ost­walds auf­ge­grif­fen und von Künst­ler­grup­pen wie der hol­län­di­schen „De Stijl –Bewe­gung“ wei­ter­ent­wi­ckelt. Farbe wurde als räum­li­ches Ele­ment in die Kom­po­si­tion von Archi­tek­tur und Bild ein­be­zo­gen. Diese neue Inter­pre­ta­tion der Farb­wir­kung belegt ein Zitat von Le Cor­bu­sier: „Die Farbe in der Archi­tek­tur, ein ebenso kräf­ti­ges Mit­tel wie der Grund­riss und der Schnitt. Oder bes­ser: Die Poly­chro­mie, ein Bestand­teil des Grund­ris­ses und des Schnit­tes selbst.“
Einen neuen ganz­heit­li­chen Ansatz für die Theo­rie der Farbe ver­such­ten die Bau­haus­leh­rer Klee, Itten und Kan­dinsky zu ent­de­cken.  In ihren Lehr­an­sät­zen ver­ein­ten sie eigene theo­re­ti­sche Ansätze mit prak­ti­schen Übun­gen, in denen die Stu­den­ten spe­zi­elle Auf­ga­ben zu abs­trak­ten Teil­be­rei­chen der Farb­lehre aus­führ­ten und damit ihr Wis­sen prak­tisch ver­tie­fen konn­ten. Die noch erhal­te­nen Auf­zeich­nun­gen der Bau­haus­leh­rer geben einen guten Ein­blick in die Arbeits­weise des Bau­hau­ses und sind zugleich Zeug­nis für die Bedeu­tung der Farb­lehre für in der Moderne. Der Wunsch nach Abs­trak­tion und Ent­ma­te­ria­li­sie­rung führte zu neuen Farbkompositionen.

Die Grund­la­gen­for­schung im Vor­kurs des Bau­hau­ses in Wei­mar lie­fert uns auch heute noch The­men für die Ver­mitt­lung von Zusam­men­hän­gen im Bereich der Farbe.
Die Übun­gen der Bau­haus­leh­rer füh­ren den Stu­den­ten zu einer grund­sätz­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Phä­no­men der Farb­wahr­neh­mung, wie es in dem Begriffs­paar „sub­jek­ti­ves Erle­ben — objek­ti­ves Erken­nen“ von Johan­nes Itten zum Aus­druck kommt.

Das Semi­nar hat des­halb kei­nen rein theo­re­ti­schen Ansatz son­dern stellt eine Kom­bi­na­tion ver­schie­de­ner the­ma­tisch geord­ne­ter Refe­rats­blö­cke dar, wel­che mit ver­tie­fen­den prak­ti­schen Übun­gen kom­bi­niert sind.

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Weblinks

Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus zur Webseite

Farbe und Architektur auf der Homepage von Axel Buether zur Webseite


 

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