• 6. Juni 2018
  • Design

Das sichtbar werdende Unsichtbare

Eine künstlerisch, gestalterische Auseinandersetzung mit der Farbe Blau

Rahel Brochhagen

Masterthesis
Visuelle Kommunikation
Weißensee Kunsthochschule Berlin
Prüfer: Prof. Wim Westerveld
Dank an: Prof. Christoph Wachter

Es klingt
es rauscht
es hallt
es widerhallt
es sprüht
es duftet
und wird andächtig singendes Blau.
Das Blau verblüht zu Licht.

Hans Arp

Abstract

Ausgehend von zusammengetragen Werken junger, zeitgenössischer Künstler/innen und Designer/innen zur Wahrnehmung und Intuition von und zu Blau, entstand eine Masterarbeit, deren Fokus sich auf die reinen Farben bezieht. Gezeigt werden ganz unterschiedlichste Werke, die speziell für den Kontext »Blau« kreiert und im Anschluss, zur Weiterbearbeitung, digitalisiert wurden.

Durch Abstraktion und Aufsplittung der digitalisierten Werke in ein Farbpixelraster wurde der Farbraum um den vermeidlich schwer greifbaren Begriff der Farbe an Hand von Blau konkretisiert und gleichzeitig für zunächst nicht klar sichtbare Farben geöffnet. Des Weiteren wurden die ursprünglichen, digitalisierten Werke auf ihre Durchschnittsfarbe abstrahiert, so dass sich die ­Arbeit nun nicht mehr ausschließlich auf die meist bildhaften Gedanken und Assoziationen der Künstler/innen und Designer/innen bezieht, sondern viel mehr deren aus »Blau« entstandene, oft nicht beachtete Farbwelt beleuchtet und zugänglich macht. Ein visueller Assoziationsraum um die Farbe Blau tritt hervor und lässt eine ­Sammlung an Blaunuancen und Farbtönen entstehen, die den tatsächlich assoziativen Farbraum von Blau sichtbar werden lässt. Die Ausstellung und das dazugehörige Buch öffnen so eine Metaebene die uns vor Augen führt, dass Blau nicht einfach Blau ist, sondern viel mehr bei genauerer Betrachtung aus etlichen verschiedenen Farben bestehen kann.

Auszüge und Impressionen aus dem Buch

Stellen wir uns kurz vor Sonnenuntergang an den Rand eines Bergsees, so können wir die rasanten Veränderungen der Blautöne über den Bergen und auf dem See beobachten. Die un­­endlich wirkende Weite löst in uns einen Zustand der Entspannung und Freiheit aus. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass sich unser Blick in den unterschiedlichen Nuancen der Farbe Blau in der Ferne verliert. Mit Blau verbinden wir meist posi­tive Begriffe wie Harmonie, Sympathie, Vertrauen, Freund­­lich­keit, Unendlichkeit, Entspannung, Zuverlässigkeit, Stille oder Phan­tasie. Gleich­zeit­ig gilt die Farbe als kühl und neutral. Offenbar verbindet sie Gegensätze – und tatsächlich reicht ihr Spektrum von beinahe schwarz bis hin zu fast weiß. Doch wo kommen all diese Blaunuancen her, die wir kaum benennen können? Welche von ihnen ist Himmelblau, welche Hellblau, Graublau, Dunkelblau, Pastell­blau, Mittelblau, Wolkenblau, Wasserblau, Nebel­­­blau, Grün­­­blau, Nachtblau oder welche Blau­schwarz?

Blau ist die beliebteste Farbe in Europa. Besonders im öffentlichen Raum finden wir vermehrt Blautöne wieder, zum Beispiel auf Flaggen, Werbeplakaten oder in Erschein­ungs­bildern von Unternehmen. Auch Ge­stalter/in­nen und Künstler/innen bedien­en sich der Farbe Blau gerne und häufig. Nicht zuletzt nennen wir unsere Erde den „blauen Planeten“, weil sie aufgrund ihres Wasserreichtums aus dem Weltall betrachtet überwiegend blau aussieht. Wir meinen, unsere Welt sei voller Farben, doch eigentlich wissen wir, dass sie absolut ­farblos ist. Erst physikalische Vorgänge lassen Farbe vor unseren Augen entstehen: ­Einfallendes Licht trifft auf unsere Netzhaut, unter der sich unendlich viele Fotorezeptoren befinden. Durch ihr Zusammenspiel ­können wir unsere Umwelt über­haupt erst visuell wahrnehmen. Drei Farb­zapfen lassen uns Farben sehen. Fehlt uns einer dieser Zapfen, ist die dazugehörige Farbe für uns nicht sichtbar.

Die Fähigkeiten unseres heutigen ­Sehsinns haben Menschen erst im Laufe der ­Evolution entwickelt. So erschien uns unsere Umwelt ver­­mutlich vor vielen Tausend Jahren mehr oder weniger farblos. Erst nach und nach, durch unsere Evolution und die der Natur, nahmen wir zum Beispiel die Farben von Früch­­ten wahr. Sie ermittelten uns durch ihre Färbung, ob sie giftig oder essbar waren. Heute wie damals nutzen wir den Seh­sinn zur Orientierung. Er vereinfacht uns das Leben.

Da unsere Weise Farben zu sehen mit unseren Augen und unserem Gehirn zusammenhängt, kann die individuelle Wahrnehmung von ­Farben sehr unterschiedlich sein. Jedes Individuum nimmt eine Farbe aus seinem ganz eigenen Blickwinkel wahr. Auch Faktoren wie die persönlichen ­Erfahrungen, kultu­relle Hinter­­­­gründe, Gewohn­­­­­­heiten und Erw­­­­­­ar­tungshaltungen – wie ­die Ähnlichkeiten zu uns bekannten Dingen – spielen bei der Wahr­nehmung von Farben und der daraus folgenden Wirkung eine große Rolle. Denn unser visuelles System setzt die Wellenlängen des Lichts folglich nicht 1:1 in Farb­­­erlebnisse um.

Während sich die Kulturen anderer Länder und Kontinente (wie zum Beispiel Japan und Afrika) be­­reits eines großen Farbnamenspektrums ­bedienen, sind die Unter­­scheidungs­merkmale im ­europäischen Raum bisher relativ begrenzt. Wir vergleichen Farb­nuancen lediglich mit uns bekannten Dingen, Zuständen und Eigenschaften. Die uns be­­­­­kan­nten Farb­systeme hängen also sehr mit unseren sprachlichen Gewohnheiten zusammen. Im Rus­­­­sischen beispielsweise ist Blau nicht gleich Blau. Dort ordnet man einem Farbton direkt noch die At­­tribute „hell“ oder „dunkel“ zu. Unser einfaches „Himmelblau“ würde dort zu­­­­sätz­lich unter­­teilt in ein helles oder dunkles ­Himmelblau. Fest steht, dass wir eine universelle Farbwahrnehmung haben, in der wir, ganz unabhängig von unserem jewei­ligen kulturellen Hintergrund, Farben differenzieren.

Was für eine Wirkkraft eine Farbe und ihre Nuancen auf uns haben, ist nicht eindeutig bestimmbar und hängt mit dem jeweils vorhan­denen Licht ­zusammen. Dass die Farbe Blau, wie jede andere Farbe auch, gew­­isse Gefühle in uns auslöst oder uns in eine bestimmte Stim­­mung ersetzen kann, ist uns allgemein bekannt. Doch die Frage nach einer bestimmten Farbw­irkung von Blau ist, wie bei allen anderen Farben auch, nicht klar zu beantworten. Denn niemand kann nachw­­­­­­­­­eisen, dass ­mehrere Personen ein bestimmtes Blau in exakt der selben Weise wahrnehmen. Außerdem kann die Intensität einer Wirkung je nach Erfahrung oder Stimmung schwanken. Eines steht fest: Die Farbe Blau kann uns enorm fesseln. So schrieb schon Johann Wolfgang von Goethe in seiner Farb­lehre: „Wie wir den hohen Himmel, die fernen Berge blau sehen, so scheint eine blaue Fläche auch vor uns zurückzuweichen. Wie wir einen an­­genehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht.“ Goethes Farbtheorie mag nicht immer großen Anklang finden, dennoch ­bringen seine Anmerkungen zum Be­­reich des Sinnlichen bis heute nachvollziehbare Aspekte mit sich. Er beschreibt Blau als eine sonderbare Farbe, die Kälte und Dunkelheit in sich birgt, aber gleichzeitig eine enorme Energie ausstrahlt.

Auch den Künstler Yves Klein fesselte das Blau des Himmels so sehr, dass er sein ganzes Leben damit verbrachte, einen perfekten Blauton zu entwickeln. Das International Klein Blue (IKB) ließ er sich im Jahre 1960 schließlich patentieren. Und – seien wir mal ehrlich – sein Blau erfüllt Goethes Hypothese in jedem Fall: „Es zieht uns nach sich.“

Reproduzierbarkeit von Farbe

Blau in der Kunst

Nicht nur in der Mode, sondern auch in der ­Malerei stieg der Gebrauch von Blau im Laufe der Jahr­hunderte an. Dabei hatten es Maler anfangs allein schon aus prak­­­­­­­­­­­­­­tischen Gründen nicht leicht, die Nuancierungen und die Effekte von Blau adäquat wieder­­­­­­zugeben oder zu va­riieren. Blaue Farbe war nämlich nicht sonderlich lang beständig. Erst ab dem 17. und 18. Jahr­hundert ver­zeichnete man vermehrt Erfolge in der Herstellung von intensiveren und stärker leuchtenden Blautönen und erhielt zudem end­lich die Möglichkeit, sie zeitbe­ständiger zu ­fixieren. Mit keiner der bis dato in Europa verwendeten blauen Farben, aus ­Steinen oder Pflanzen ­hergestellt, war die Auf­­­­­tragung eines leuchtenden Farbtons auf eine große Fläche möglich gewesen, wofür außerdem die hohen Kosten verantwortlich waren. Aus diesen Gründen hatte man ein sattes und reines Blau meist nur punktuell auf den wichtigsten Details angewandt, wie beispielsweise nur für Teile des ehrwürdigen Gewandes der Jungfrau Maria.

In Sachen Anerkennung der Farbe Blau war die Malerei dem landläufigen Geschmack der ­Gesellschaft folglich schon einige Zeit voraus. Im Gegensatz zur ­geringen Beliebt­­­­­heit von Blau­tönen in der ­Alltagskleidung pflegte man in der Kunst bereits zur Wende vom 11. zum 12. Jahr­­hundert ein gewisses Faible für Blau. Zu ­jener Zeit entstanden bereits die ersten Darstellungen der trau­ernden Gottesmutter in Blau, die später den Modetrend um die blaue Farbe auslösen sollten.

Über lange Zeit sollte Blau aber auch in der Kunst eine kostbare und kostspielige Farbe bleiben, die man nur ge­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­zielt einsetzen konnte. Erst mit einer ­zu­fällig im Jahre 1709 in Berlin entwickelten künstlichen blauen ­Farbe, dem Preu­­­­­­­­ß­isch Blau oder auch Berliner Blau, wurde es allen euro­pä­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­isch­en Künstlern möglich, einen ­kräftigen und tiefen Blauton groß­­flächig zu nutzen. Im Jahre 1724 schließlich wurde das Geheimnis der neu ­entdeckten Farb­mischung publik gemacht. Es ver­­­än­­­­­­­­derte die F­­arb­palette der ­Künstler/innen für fast zwei Jahrhunderte beispiellos. Leider hatte diese Farbe eine recht geringe Halt­barkeit und kon­nte daher nicht für jeden Zweck gebraucht ­werden. Während man in den ­Stofffärbereien ­inzwischen große Fort­schritte ­er­zielte, musste sich die Malerei noch ein ­wenig ge­­dulden, bis man auch hier die Mängel der blauen Farbe beheben ­konnte. Ab Mitte des 18. Jahr­hunderts ex­­­perimentierte man eifrig herum, um die Formel der blauen Farbe zu ver­­­­­­­bessern. In den Akademien und den Gesell­­­schaften ­wurden Wettbewerbe aus­ge­­­­schrieben, mit denen man zwar die Farb­palette der Nuancen etwas er­weitern, aber leider nicht die Haltbarkeit der blauen Farbe allgemein verbessern konnte.

Daher sollten wir bei gemalten oder gedruckten ­Bildern immer be­­denken, dass sie womöglich im Laufe der Zeit ihre Farbe verändert haben. Auch ­besondere, zum ­Beispiel durch Sonneneinstrahlung erschwerte Licht­­verhältnisse können Farbtöne ausbleichen lassen; genau wie auch Temperaturen und Trockenvorgänge Farben verändern. Bewundern wir in Museen also heute ein Bild, so dürfen wir nicht davon aus­­­­­­­­­­gehen, dass es zum Zeitpunkt seiner Anfertigung genauso aus­gesehen hat. Wir können lediglich vermuten oder erahnen, welches einmal der richtige und vom Künstler gewählte Farbton war. Unsere Vorstellungskraft und das Erinnerungs­­­­­­­­­­­ver­mögen spielen hierbei eine große Rolle. Unweigerlich projizieren wir bestimmte Farbtöne in bestimmte, uns bekannte Situationen und Dinge hinein.

Neben den industriell und chemisch angerührten Farben für die Malerei sind uns heute noch ganz andere Hilfsmittel zur Reproduktion von Blau gegeben. Vor allem technische Medien finden mehr und mehr Einzug in die Reproduktion von Farben. Doch auch technische Hilfs­mittel wie die Fotokamera reduzieren die ­originalen Blau­informationen nur in ihrem Möglichkeitsrahmen.
Erstellen wir ­einen Abzug eines mit unserer Kamera aufgenommenen Bildes, so gehen bereits bei diesem Vorgang viele Farb­informationen ver­loren. Die Kamera „verfälscht“ die ursprünglich auf­genommenen ­Farben. Auch unsere Möglichkeiten der Repro­duktion durch den Druck sind begrenzt. Denn jeder Drucker, ob Digital oder Offset, druckt anders. Daher sollten man Farbtöne im Andruck testen und eventuelle Veränder­­­­­­­­­­­­­­­­­ungen am Computer vornehmen, falls einem das Ergebnis nicht zusagt: aufhellen oder abdunkeln, mal mehr, mal weniger den Farbregler verschieben. Es braucht viel Zeit, um einen Farbton so genaustens im Druck wiederzugeben. Allein ein Wechsel von einem zum anderen Farbprofil in der Bildbearbeitung kann ex­­treme Auswirkungen und Ver­änderungen im Farbton mit sich bringen. Daher sollten wir uns bewusst sein, dass eine Wiedergabe der blauen Grundfarben bereits eine Verfälschung ist. Zwar entwickeln Wissenschaftler mehr und mehr Sonderfarben für spezielle Druck­verfahren, die es ­ermöglichen, einen intensiveren und meist leucht­stärk­­­­­eren Farbton zu erzielen. Doch existieren auch hier nicht alle ­Farbtöne exakt so, wie wir sie wahrnehmen können. Die ­Farb­skala der Pantonefarben (eines der existierenden Farbmatching Systeme) weist zum Beispiel nur um die 100 Blaunuancen auf. Es existieren etliche mehr, auch wenn wir ab einem gewissen Punkt Schwierigkeiten haben, sie alle noch wahrzunehmen.

Daher ist die hundertprozentig korrekte Darstellung und Eins-zu-eins-Reproduktion eines Blau- Farbtons so­wohl in der Malerei als auch in der digitalen Welt selbst heute noch nicht möglich. Wir bewegen uns ­lediglich in einem Raum der immer präziser werdenden Annäherung. Denn allein das Unterscheiden ähnlicher Blautöne mit bloßem Auge erfordert eine enorme Konzentration und gute Beobachtungsgabe ­– oder schlicht viel Erfahrung. Wie gut unsere eigene Farbwahrnehmung ist, hängt u.a. neben unseren persönlichen Erfahrungen und den kulturellen Hintergründen, überwiegend mit Training und einem professionellen Umgang mit Farbe zusammen. Auf Farbunterscheidungen konditionierte Augen nehmen minimale Unterschiede zwar eher wahr, haben aber auch mit der Schwierigkeit zu kämpfen, das Gesehene perfekt zu reproduzieren.

Die symbolisch-psychologische Wirkung der ­Farbe Blau beeinflusst unser ästhetisches ­Empfinden auch im Bereich der ­zeitgenössischen Kunst und Gestaltung. Blau ist auch hier eine beliebte und gleichzeitig sehr um­­kämpfte Farbe. Gestalter/innen und Künstler/innen greifen schon immer gerne zu Blautönen, die eine gewisse Tiefe mit sich bringen. Dazu gehören Blautöne wie ein tiefes Nachtblau oder das der morgendlichen blauen Stunde. Dies kann beispielsweise das ­be­­kannte leuchtende RGB-Blau (R=0 G=0 B=255) sein, das ein Beamer ver­­endet, wenn er nach der Ver­bindung sucht.Oder auch das anfangs erwähnte Inter­­­­­­­­na­­­­­­tional Klein Blue. Diese Blautöne sind am klarsten und intensivsten und wirken wesent­­­lich stärker als ein mit noch vielen anderen Farben vermischter Farbton. Wir beurteilen die Ästhetik eines Blautons oft nach seiner Leuchtkraft. Deshalb finden helle Blautöne abseits des klaren RGB-Blautons bei vielen jungen Gestaltern meist w­eniger Anklang. Hellblau, Babyblau, Eisblau und ihnen ähn­­­­­­­­­liche Blautöne wirken kalt und abweisend auf uns. Während Orange in unserem Farbsystem (nach Itten) die ­ärmste Farbe dar­­­­­­stellt, gilt Blau als die ­kälteste. Dunkle Töne oder eben Blautöne wie das ­besagte RGB-Blau hingegen erinnern uns an die positiv konnotierte „blaue Stunde“: Mit ihnen as­soziieren wir Entspannung und Ruhe.

Diese assoziative Wirkung von Blau ist ein Grund dafür, dass die Farbe im öffentlichen Raum häufig Verwendung findet: In Erscheinungs­bildern von Firmen, welche Vertrauen ­vermitteln sollen, oder in Verkehrs­schildern, die uns die Richtung weisen sollen (in einigen Ländern sind sie ­wahlweise Grün, da dies ebenfalls Ruhe aus­­­strahlen kann). Erwähnen kön­nte man weiter die unterschiedlichen Blauvariationen in den vielen Flaggen dieser Welt, die sich häufig an den ­Blau­t­­­önen des Meeres oder denen des Himmels orientieren. Unsere blaue Europa­­­­­­­­­­­­­flagge zum Beispiel, die mehrere Länder vereinen soll, strahlt etwas Freundliches und Neutrales aus. Historisch gesehen war die Flaggenfarbe Blau mal Königsfarbe, mal Farbe der ­Revolution. Im öffentlichen Raum tauchten in der ­Neuzeit immer wieder Uniformen auf, deren Blauton wir bis heute mit dem jeweiligen Beruf ver­­­­knüpfen: Im einen Land ist es die Polizei, im anderen das Militär. Das uns wohl be­­­­­­­kannteste öffentlich sichtbare Blau ist Jeansblau, das inzwischen von jeder Bevölkerungsschicht und völlig geschlechts­­­unabhängig im Alltag getragen wird. In Krankenhäusern und in Psychiatrien setzt man blaue Wandfarbe als Kontrast zu (Blut-)rot oder blaues Licht zur Beruhigung ein, um den Blutdruck der Patienten zu senken und für ein besseres Wohl­­­­­befinden zu sorgen.

Auch die Farbgebung eines Objekts, einer Sache, muss heute verbrauchsgerecht und ­ansprechend für die breite Masse sein. Nicht allein die reine Form steht bei der Mehrheit im Vordergrund, sondern die Farbe. Irritiert uns eine Farbe zu sehr, lehnen wir ein Produkt ka­te­go­risch ab. So ist es nicht verunderlich, dass wir im Supermarkt keine dunkelblau eingefärbte Milch vor­finden, dafür aber blaues Waschmittel. Doch wie wirkt Blau eigentlich auf Künstler/innen und Ge­stalter/innen, die tagein, tag­­aus visuellen Reizen und Farben ausgesetzt sind?

Blau funktioniert eigenständig. Es benötigt keine er­­­gänzende Farbe, um etwas auszustrahlen. Es vereint etwas Dunkles, Faszinierendes mit etwas Sympath­ischem und Leichtem. Es hat je nach Intensität enorme Kraft. Doch kann man seine Wirkung auch durch das Hinzufügen von Kontrastfarben wie Orange oder Rot intensivieren, denn zu reine Blautöne nehmen wir paradoxer Weise schnell als nicht ästhetisch wahr. Gleichzeitig kann das Hinzufügen eines weiteren Farbtons auch schnell Unruhe in einen Blauton bringen und diesen an seine Grenzen führen. Fest steht: Ein jeder und eine jene von uns nimmt Blau anders wahr. Was für den einen noch Hellblau ist, ist für den nächsten schon Hellgrau.

Doch wie verhält sich die Farbe Blau im digitalen ­Bereich, wo wir ihr feste Farbwerte zuweisen und sie an­­­­­­hand der uns zur Verfügung stehenden ­Technik in ihre Misch­­­­­farben aufrastern können? An unter­schied­lichen Bildschirmen betrachtet, können faktisch gleiche Farbtöne völlig unterschiedlich aussehen. Dies hängt neben der Kalibrierung des Bildschirmes und dem von uns ausgewählten Farb­­­­­­­­­­profil auch mit den Dar­stellungsmöglichkeiten des Geräts zu­sammen.Wo ­hin­­­gegen finden wir Grenzen der Farbdarstel­­­lung von Blautönen in der Reproduktion durch den Druck?

zur PersonWeblinks

Rahel Brochhagen – Homepage

Kunsthochschule Berlin Weißensee – Webseite

Prof. Wim Westerveld

Prof. Christoph Wachter


Desig

 

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