Colorcontex – Zusammenhänge zwischen Farbe und textilem Material
  • 7. Juni 2017
  • Bildung

Colorcontex – Zusammenhänge zwischen Farbe und textilem Material

Studie über den gegenseitigen Einfluss von Farbe und Material

Thesis zur Erlangung des akademischen Grades Master of Arts (MA)
Vorgelegt von Jacqueline Satzinger
Studiengang textil kunst design
Kunstuniversität Linz, Österreich
01.06.2016

Abstract

Anhand von gefärbten Gewebeproben wird der Zusammenhang zwischen Farbe und textilem Material untersucht. Dazu wurden Gewebe aus den drei Naturfasern Seide, Wolle und Baumwolle in sechs unterschiedlichen Farben gefärbt. Anschließend beurteilten 50 Probanden anhand eines Polaritätsprofils mit drei Dimensionen, die kognitive und sensuelle Wirkung sowie die Anmutungsqualität der 18 Gewebe. Die Auswertung legt tendenzielle Synergien zwischen Farbe und Material offen, was zu einem sicheren Umgang mit Farbe und Material innerhalb eines Gestaltungsprozesses führen soll.

Privat: Colorcontex – Zusammenhänge zwischen Farbe und textilem Material

Hintergrund

In textilen Kollektionen sind in der Regel verschiedenfarbige Ausführungen des gleichen Designs zu finden. Dass sich in einer Kollektion stets einige Farbvarianten besser verkaufen als andere, mag auf den ersten Blick an aktuellen Trends oder persönlichem Gefallen liegen. Jedoch sehen Farb- und Wahrnehmungsforscher den Grund dafür im gegenseitigen Einfluss des Oberflächenmaterials und seiner Farbe. Diese Einflüsse gilt es noch genauer zu erforschen. Denn laut dem Sozialwissenschaftler und Wirtschaftsnobelpreisträger Herbert A. Simon müssen Designer wissen, wie Dinge funktionieren und weshalb. Dies würde Erklärungen voraussetzen, und dafür müssten wir Theorien konstruieren und testen.[1] Seine Aussage trifft den zu Grunde liegenden Gedanken der vorliegenden Arbeit sehr gut. Ziel war es, durch künstlerisch-wissenschaftliche Forschung neue Erkenntnisse zu gewinnen um zu einem besseren Verständnis der Zusammenhänge zu gelangen. Letztendlich soll dieses Wissen zu einem sicheren und kompetenten Umgang mit Farbe und Material innerhalb von Gestaltungsprozessen jeglicher Art führen.

[1] Hugentobler in Designwissenschaft und Designforschung, Hochschule Luzern, S. 51

Theorie und Thesen

Als theoretische Grundlage diente die Publikation „haptic Visuals – Oberfläche und Struktur – Farbe und ihre Beziehung zur Tastwahrnehmung“ von Timo Rieke. Das Ergebnis dieser Studie waren Profile zu den 18 getesteten Farben mit dazugehörigen Struktur- und Oberflächenbeschreibungen. Dies ermöglichte die Zuordnung von Farben zu textilen Materialien bzw. deren spezifische Oberflächen. Laut Theorie wirken die Farben Orange und Braun beispielsweise auf matten und rauen Oberflächen am besten, was den Materialeigenschaften der Wolle entspricht. Die glatte und glänzende Oberfläche der Seide entspricht demnach den Farben Hell- und Dunkelblau. Die Farbtöne Gelb und Rot wurden der glatten und eher matten Baumwolloberfläche zugeordnet.

Umsetzung

Die Thesen wurden mittels schriftlicher Befragung überprüft. Dazu wurden vorab 15 x 15 cm große Musterstücke aus Wolle, Seide und Baumwolle in den sechs ausgewählten Farben Gelb, Orange, Rot, Braun, Hellblau und Dunkelblau gefärbt. Kriterien für die Farbauswahl waren die Eindeutigkeit in der Theorie bezüglich der Wirkung von Farbe und Oberfläche, sowie deren färbetechnische Umsetzbarkeit. Um keine zu künstlichen Farbtöne zu erzeugen dienten Färbungen mit natürlichen Pigmenten als Vorlage, da die Umsetzung nur mit synthetischen Pigmenten möglich war. Verwendet wurden ausschließlich Naturfasern. Im Gegensatz zu den stark modifizierbaren synthetischen Fasern, besitzen diese Eigenschaften und Oberflächen, die nur begrenzt verändert werden können. Dies führt zu eindeutigeren Ergebnissen, welche auch hinsichtlich synthetischer Fasern gedeutet werden können.

Natürliche Färbungen

 

Eine heterogene Gruppe von fünfzig Probanden beurteilte anschließend die subjektive Wirkung der 18 farbigen Gewebe anhand eines Polaritätsprofils. Diese Methode wurde in den 50er Jahren von Psychologen entwickelt um den Eindruck und die Wirkung von Dingen, Objekten, Personen, etc. zu ermitteln. Auf einer Liste von Gegensatzpaaren (z.B. warm – kalt) wird auf einer siebenstufigen Werteskala der Grad der subjektiven Empfindung eingetragen. Durch Assoziationen bildet sich zu jedem Stimulus ein Profil heraus. In der abschließenden statistischen Auswertung der Fragebögen zeigten sich tendenziell harmonische und dissonante Material- und Farbkombinationen sowie generelle Erkenntnisse über den Zusammenhang von textilem Material und Farbe.

Auswertung

Um mögliche Tendenzen sichtbar zu machen, wurden zunächst die fünfzehn abgefragten Attribute neu gruppiert. Für die Beurteilung ist entweder die Wirkung des Materials ausschlaggebend, oder die Wirkung der Farbe. Insgesamt fünf Adjektive wurden jedoch weder durch die Farb-, noch durch die Materialwirkung maßgeblich beeinflusst, ihre Beurteilung erfolgte nach wechselhaften Kriterien. Nur die sensuelle Wahrnehmung wird eindeutig durch die Materialwirkung dominiert. Die Wirkung der Farbe beeinflusst neben der kognitiven Wahrnehmung zusätzlich die Anmutungsqualität der Gewebe. Durch die Neugruppierung lassen sich zum einen die Wirkungen der drei Materialien und der sechs Farben herauslesen, zum anderen wird deutlich, wie sich beide Komponenten gegenseitig beeinflussen. Die Ergebnisse sind in ausführlicher Form in der Masterthesis bzw. in der Zusammenfassung mit Bezug auf deren mögliche Anwendung einzusehen.

 

wolle
Baumwolle
Seide

 

Colorcontex – Zusammenfassung

 

zum Autorweiterführende Links

Jacqueline Satzinger

  • Portfolio
  • Mail: jacqueline.satzinger@freenet.de

(Bei Interesse an der gesamten Publikation, gerne vie Mail kontaktieren)

Literatur:

Timo Rieke, haptic Visuals – Oberfläche und Struktur. Farbe und ihre Beziehung zur Tastwahrnehmung, Verlag Farbe und Gesundheit Frammersbach 2008,
ISBN 978-3-939946-02-1


 

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